"There is nothing more unequal than the equal treatment of unequal people."
Thomas Jefferson

Hinweise

Das Rezensionsportal bietet Rezensionen zu Büchern aus einer Vielzahl von Themen. In den von mir ausgewählten Büchern, handelt es sich vor allem um Menschen, die anders sind und nicht immer der Norm entsprechen. Auch wenn die Auswahl zuweilen überraschend wirkt, so ergibt sich bei näherer Betrachtung ein roter Faden. An diesen Menschen interessiert mich ihre Art, ihr Wesen genauso wie ihr Lebensumfeld. Das Portal stellt vor allem Bücher aus den Bereichen Psychologie, Erziehungswissenschaften, Philosophie und Mathematik vor. Und für die Älteren der berufliche Alltag, was zunächst immer das Themenumfeld Personal involviert. Außerdem stelle ich Methoden und philosophische Fragestellungen vor, die im Rahmen von Forschungsvorhaben relevant sind. Das umfasst die Epistemologie und die qualitative und quantitative Forschungsmethodik, Statistik und Stochastik.

Die einzelnen Rezensionen stellen die Literatur in Kürze vor. Falls Wertungen dargestellt werden, spiegeln diese ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wider. Das Ziel ist es, Orientierung zu geben was meiner Meinung nach lesenswert ist oder aber nicht von großer Relevanz. Zur Orientierung gibt es im kleinen Kästchen die Möglichkeit der Schnellorientierung.

Die Unterteilungen in unterschiedliche Themen sind von den Interessen des Rezensenten geleitet und stellen keine Wertung dar. Innerhalb der Themenblöcke sind die Bücher nach dem Namen des Erstautors geordnet. Auch hier ist keine Wertung zu sehen. Mit dem kleinen Menu rechts können Sie zwischen den einzelnen Themen leicht hin und her springen. Wo besonders gute Bücher zu finden sind, können Sie der Liste der zehn Bücher mit den höchsten Gesamtbeurteilungen entnehmen. In der Liste "Die zehn neuesten Rezensionen" finden Sie erwartungsgemäß die Neuheiten meiner Seite. Allen sei beim Schmökern viel Spaß gewünscht.

Alle Bücher können Sie in ihrer Buchhandlung bestellen. Viele von Ihnen bestellen bei einem der großen Anbieter im Internet. Wer keinen persönlichen Buchhändler seines Vertrauens hat oder auf den Komfort gelieferter Bücher nicht verzichten möchte, hat Alternativen zu den großen Anbietern. Üblicherweise unterstützen Sie mit der dortigen Bestellung dann engagierte Buchhändler/innen, die vor Ort ein Angebot bereitstellen und sich für Literatur und Bücher sehr engagieren. Gleichzeitig bieten diese auch denselben Service, wie die großen Anbieter. Meine Buchhändlerin des besonderen Vertrauens ist Gretel Sattler, die einen der kleinsten Buchläden in Bremen führt. Bei Gretel Sattler bekomme ich alles, was am Buchmarkt zur Verfügung steht. Sogar so etwas Ungewöhnliches wie indische Mathematikbücher. Darüber hinaus bietet Gretel Sattler von Bücherlesungen, über Bücherabenden mit Leberwurstbrot, Nachtstöbern in der Buchhandlung und der Letzte macht die Tür zu, vielerlei Veranstaltungen rund ums Buch. Den Online-shop finden Sie unter www.buchhandlungsattler.de. So können auch Sie einen Beitrag für den Erhalt individueller Buchhandlungen leisten.

Die neuesten Rezensionen!

Die Top Ten!

Hochbegabung

Hier finden Sie alle Bücher, die das Themenfeld Intelligenz und Hochbegabung aus unterschiedlichen Perspektiven thematisieren.

Autor: Andrea Brackmann
Jenseits der Norm - hochbegabt und hochsensibel?

Die publizierte Literatur zur Hochbegabung wächst stetig an. Erstmal 2005 veröffentlicht, ist das hier vorliegende Buch bereits zu einem "Klassiker" geworden und erfährt regelmäßig neue Auflagen, was durchaus ungewöhnlich ist. Offensichtlich stellt diese Lektüre etwas Besonderes dar.

Andrea Brackman ist zumindest insofern Pionierin, als sie eines der ersten Bücher veröffentlichte, die sich mit hochbegabten Erwachsenen und deren Situation und Entwicklung auseinandersetzte. So besticht das Buch mit einer durchgehenden entwicklungspsychologischen Darstellung über die Lebensspanne, ohne dabei sich an den Strukturen fachwissenschaftlicher Literatur zu orientieren. Für Kinder und Erwachsene werden Typisierungen angeboten, ohne darauf zu bestehen, dass diese klar gegeneinander abgrenzbar sind. Ein besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die emotionalen Aspekte, die physische Sensibilität, die Hochbegabung zumeist begleitet, und seelische Störungen bei Hochbegabten. Dabei betont sie, dass diese bei Hochbegabten nicht häufiger auftreten, als bei anderen Menschen auch. Von der Schilderung ihrer eigenen Arbeitsweise ausgehend, beschäftigt sie sich mit dem autistischen Spektrum, der Psychotherapie von Erwachsenen und Borderline-Persönlichkeiten, dem ein sehr langes Kapitel gewidmet ist. Deutlich wird, dass eine erfolgreiche Psychotherapie genaue Kenntnisse der Unterschiede zwischen hochbegabten Menschen und andere erfordert. Dasselbe gilt insbesondere auch für die Intelligenzdiagnostik, die besonders bei Kindern sehr sensibel zu interpretieren ist, was leider allzu häufig nicht passiert. Hierzu liefert sie vor allem auch aus ihrer eigenen Praxis wichtige Hinweise.

Das Buch ist stringent geschrieben und verzichtet auf die in Ratgebern häufig vorzufindenden Wiederholungen der Darstellungen. Auch inhaltlich ist die Fülle und Tiefe für ein Ratgeberbuch auffällig.

Keiner Autorin und keinem Autor ist es bisher gelungen, in Tiefe und Breite hochbegabte Menschen in ihrem Wesen so genau zu erfassen und anzusprechen, wie Andrea Brackmann in ihrem Erstling (was übrigens auch für ihr zweites Buch gilt). Deshalb ist es zu Recht das zumeist verkaufte Buch in der deutschsprachigen Hochbegabungsliteratur!

Autor: Andrea Brackmann

Jenseits der Norm - hochbegabt und hochsensibel?

Die seelischen und sozialen Aspekte der Hochbegabung bei Kindern und Erwachsenen

J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, 5. Auflage Stuttgart 2008 (aktuell 7. unveränderte Auflage)

236 Seiten, Paperback, 24,95 €

ISBN: 978-3-608-89014-3

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Lesbarkeit 6 / 6
Inhalt 6 / 6
Statistikkenntnisse 1 / 6
Gesamtbewertung 11 / 11

geeignet für:

Lehrkräfte 6 / 6
Fachkräfte 6 / 6
Interessierte Laien 6 / 6


Autor: Dr. Gardy Hemmerde
Was heißt denn hier hochbegabt?

Das Coaching von Jugendlichen wird nur äußerst selten angeboten, von hochbegabten Jugendlichen entsprechend noch seltener. Dr. Hemmerde macht das in Hamburg seit über einem Jahrzehnt. Zumeist sind ihre Coachees Jungs. Und es geht überwiegend um Schulprobleme, also eher um „Underachiever“, also hochbegabte Jugendliche, die schulische Ergebnisse weit unter dem erbringen, was ihre kognitiven Potentiale erwarten lassen. Die Arbeit hier stellt eine Herausforderung dar, zumal nur Änderungen in der Haltung des Coachees erreicht werden können. Den potenziellen Verursacher, also die Lehrkörper der Schulen, der Probleme kann man so nicht erreichen.

Ihre Erfahrungen fasst sie hier zusammen. Präzise und auf das Nötigste beschränkt wird das theoretische Rüstzeug präsentiert und von Hochbegabung bis Lernen, von Coaching bis Pubertät alles Nötige aufgegriffen. Besonders ausführlich widmet sich Dr. Hemmerde den Fallbeispielen, die ihren Coaching-Ansatz deutlich machen. Für jeden wird der systemische und zielorientierte Ansatz greifbar. Besonders beeindruckt die Haltung. Für Dr. Hemmerde ist es wichtig, den Jugendlichen Gleichwertigkeit zu vermitteln. So stellt sie jedem potenziellen Coachee im Erstgespräch die Frage „Was kann ich von dir lernen?“. Jene völlig andere Wahrnehmung der Jugendlichen als Beitragende irritiert diese zunächst. Und doch finden sie sich bald mit dieser neuen Rolle zurecht, die so ganz anders als in der Schule ist. Die Beispiele erfassen Jugendlichen bis junge Erwachsene in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Erfolgsstrukturen.

Das Buch ist gut zu lesen und besticht durch eine angenehme Sprachführung. Ein wirklich empfehlenswertes Buch.

Autor: Dr. Gardy Hemmerde

Was heißt denn hier hochbegabt?

Das systemische Coaching von hochbegabten Kindern und Jugendlichen – Ein Praxishandbuch

Der TRAINERVERLAG 2012, Saarbrücken 2012

241 Seiten, Broschur, 42,50 €

ISBN: 978-3-8417-5051-8

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Lesbarkeit 5 / 6
Inhalt 5 / 6
Statistikkenntnisse 0 / 6
Gesamtbewertung 9,5 / 11

geeignet für:

Lehrkräfte 4 / 6
Fachkräfte 5 / 6
Interessierte Laien 6 / 6


Autor: Monika Jost
Hochbegabte erkennen und begleiten

Der Titel erhebt einen hohen Anspruch. Die Autorin, selber Lehrerin an einem Gymnasium und seit Jahren in die Förderung von hochbegabten Kindern involviert, versucht diesem Anspruch auf der Basis ihrer praktischen Erfahrung nachzukommen. Dies gelingt dann auch dort besonders gut, wo diese Erfahrung Beiträge liefern kann und der schulische Kontext einbezogen ist.

Detailliert erfährt man mögliche Fördermaßnahmen in und über die in den Schulen gebotenen Unterrichtswege hinaus. Alle gängigen Maßnahmen werden geschildert und in einen in den Schulen vertretbaren Rahmen eingebettet. Dabei erfasst die Autorin sensibel die sich aus den anderen Strukturen und persönlichen Gegebenheiten hochbegabter Kinder erforderlichen anderen Verhaltensweisen von Lehrpersonen. Ergänzt wird diese Darstellung durch eine Vielzahl an Tipps zu weiteren Informationsquellen. Die Basis für diese Handlungen im schulischen Umfeld legt die von der Autorin geschilderte Struktur und Andersartigkeit der hochbegabten Kinder. Dieser Bereich ist stark, vor allem da, wo über Mobbing berichtet wird.

Schwieriger wird es da, diese Kinder zu erkennen. Die von Frau Jost vorgeschlagenen Check- und Merkmalslisten eignen sich allenfalls zu einer Sensibilisierung in der Beobachtung durch Lehrkräfte und Eltern. Eine andere Aufgabe wird diesen Mitteln auch nicht zugewiesen. Diagnostik ist und bleibt Aufgabe eines qualifizierten Psychologen. Hilfreich ist dann wieder die Erklärung einiger nicht-kognitiver Merkmale, wie zum Beispiel der Perfektionismus, die hohe Sensibilität und der häufig stark ausgeprägte Gerechtigkeitssinn. Sie räumt mit dem Mythos auf, dass hochbegabte Kinder glückliche und erfolgreiche Lerner sind. Vor allem verweist sie darauf, dass Unterforderung ähnliche Symptome und Verhaltensweisen im Schulalltag hervorruft, wie Überforderung.

Im kleinen theoretischen Teil lässt sich leider nicht verleugnen, dass Frau Jost Lehrerin ist. Schulische/Akademische Leistung und Begabung werden nicht sauber voneinander getrennt. Modelle die Leistung erklären, wie das Modell von Mönks und das von Heller, die sich jeweils als Hochbegabungsmodell gerieren, werden als Erklärung von Hochbegabung präsentiert. Das können diese Modelle nicht leisten.

Das Buch gewinnt seinen Wert vor allem in der sehr guten Darstellung schulischer Maßnahmen und der sensiblen Erläuterung der psychosozialen und persönlichen Merkmale kognitiver und nicht-kognitiver Art. Hier ist es lesens- und empfehlenswert.

Autor: Monika Jost

Hochbegabte erkennen und begleiten

Ein Ratgeber für Schule und Elternhaus

Universum Verlag GmbH, Wiesbaden 2008, 4. aktualisierte Auflage

159 Seiten, Broschur, 19,80 €

ISBN: 978-3-89869-220-5

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Lesbarkeit 4 / 6
Inhalt 4 / 6
Statistikkenntnisse 0 / 6
Gesamtbewertung 8 / 11

geeignet für:

Lehrkräfte 4 / 6
Fachkräfte 4 / 6
Interessierte Laien 3 / 6


Autor: Heinz-Detlef Scheer
Wie ich werde, was ich bin

Eine Vielzahl Therapeuten, Psychologen und Coaches bieten Ihre Dienste auch Hochbegabten an. Schon lange ist Detlef Scheer in diesem Metier aktiv und lässt uns nun mit seinem Buch an seinen Erfahrungen teilhaben. Dieses Buch richtet sich an Hochbegabte und der en spezifischen Themen, die ein Coaching sinnvoll erscheinen lassen. Es kann allerdings auch für all jene wertvoll sein, die mit Hochbegabten (Erwachsenen) regelmäßig in beruflichen oder privaten Kontexten in Kontakt sind, und mehr Verständnis für die Verhaltensweisen dieser Kontakte entwickeln möchten.

Mit dem Einstieg über Interviews, die mit Coachees geführt wurden, gelingt der Einstieg in die Materie. Im nächsten Schritt hält Detlef Scheer Hochbegabten den Spiegel vor und beschreibt detailliert all jene Kommunikations- und Verhaltensfallen, die die dieser Gruppe Menschen so begegnen können und das auch regelmäßig tun. So geht er auf die Schwierigkeiten mit der Selbstsicherheit und der eigen Überschätzung ein. Die Außenwirkung des Hochbegabten wird thematisiert, genauso wie Schwierigkeiten, die sich aus einer schwierigen Kindheit und Jugendzeit ergeben oder die Folge von Rechthaberei sind. Und dann werden neben weiteren auch die Verästelungs- oder Komplexitätsfalle und der Dwiz-Faktor, also die "Dir werde ich's zeigen" Variante, vorgestellt. Leicht errötend verlassen Hochbegabte dieses Kapitel und widmen sich der Lösung dieser Aufgaben.

Zumeist stehen vor der Lösung die Hochbegabungsdiagnose und deren Folgen. Hierzu entwickelt der Autor ein 6-Phasen-Modell, das die emotionalen Empfindungen nach der Diagnose aus der Erfahrung des Autors darstellt. Eine mögliche Lösungsvariante ist dann das Coaching. Detlef Scheer entwickelt sein Coaching-Konzept und grenzt sich gegen Wettbewerber ab. Automatisch ergibt sich ein Bild des Berufsfeldes Coaching und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Mit einer Vielzahl von Beispielen unterlegt Detlef Scheer seine Gedankengänge. Die wichtigste Aufgabe des Coaches laut Detlef Scheer: sich selbst überflüssig machen. Konsequent ist es dann zu beschreiben welche Wege man durch Selbstcoaching alleine gehen kann und nur da wo es alleine nicht geht, den Externen hinzuziehen.

Das Buch ist erfrischend anders geschrieben. Auf die übliche und typische Kurzsatzorgie oder gar eine Ansammlung von Fremdwörtern verzichtet der Autor. Gedanken werden in all Ihrer notwendigen Verästelung zu Ende gebracht und auf Vereinfachung wird verzichtet. Und trotzdem findet Detlef Scheer immer den Weg zurück zum roten Faden. Wer den Autor kennt weiß, dass dieses Buch genauso geschrieben ist, wie man den Autor in seinen Seminaren und Coachingsitzungen erleben kann und wird: fundiert, engagiert und immer in der "Nähe" des Coachees. So entsteht ein interessanter Einblick in eine hilfreiche Dienstleistung, die Hochbegabten ermöglicht, ihr eigentliches Ich wieder zu entdecken und zur Geltung zu bringen. Lesen!

Autor: Heinz-Detlef Scheer

Wie ich werde, was ich bin

(Selbst-)Coaching für hochbegabte Erwachsene

BoD, Norderstedt 2010

336 Seiten, Broschur, 22,90 €

ISBN: 978-3-8391-1288-5

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Inhalt 6 / 6
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Fachkräfte 6 / 6
Interessierte Laien 5 / 6


Autor: Thomas Trautmann, Wilfried Manke (Hrsg.)
Begabung – Individuum – Gesellschaft

Die Artikel sind die verschriftlichten Zusammenfassungen von Vorträgen der Ringvorlesung zum Thema Begabung, die das Netzwerk Begabung Hamburg e.V. und der Arbeitsbereich Grundschulpädagogik der Universität Hamburg gemeinsam veranstaltet haben. Erfreulicherweise hat man, anders als sonst üblich, Vortragende aus unterschiedlichen Professionen mit sehr unterschiedlichen Aufgaben im Umfeld der Begabungs- und Begabtenförderung eingeladen. Dabei gehen die Vorstellungen zum Thema teilweise wild durcheinander und werden sehr unterschiedlich interpretiert. Die sich der Pädagogik zugehörig fühlenden Petra Esser und Thomas Trautmann verfallen den üblichen, die kognitive Hochbegabung eher nivellierenden Ideen, ganz viele andere Aspekte der Persönlichkeit in die Begabungsbetrachtung einzubeziehen. Das ist unter Aspekten der Hinführung von einzelnen Personen zur Exzellenz zweifelsohne wichtig, stellt allerdings die Konzepte kognitiver Hochbegabung nur dann in Frage, wenn man unkritisch ausschließlich die in deutschen Schulen geforderte Leistung als einzige lebensrelevante Leistung betrachtet. Dabei billigt Petra Esser den Lehrkräften diagnostische Fähigkeiten zu, die in empirischen Untersuchungen und in der Erfahrung einer unglaublichen Vielzahl von Eltern nicht vorhanden sind. Trautmann dagegen kramt wieder die aus der von Rost erstellten Langzeitstudie in die Welt gesetzte These, der überwiegende Teil der hochbegabten Schüler wäre glücklich und würde zufrieden durch die Schule laufen aus. Schlimm dies, weil die Auswertung genau dieses Teiles massiv fehlerhaft ist und bereits selbst von Rost neuerdings relativiert wird. Dazu kommt, dass das Setting der Untersuchung seit langem im Verdacht steht, hier eine Verzerrung zu haben, weil die Minderleister unter den an der Studie mutmaßlich teilnehmenden Hochbegabten vermutlich gar nicht entdeckt wurden. In dieses Umfeld passt ebenfalls auch der immer wieder herangezogene Verweis diverser Autoren auf die Wahrhaftigkeit von Gardners multiplen Intelligenzen, deren Existenz bis heute (nach fast 30 Jahren) keinerlei wissenschaftlicher Untersuchung standgehalten hat und von denen einige Thesen bereits bei Veröffentlichung widerlegt waren.

Erfreulicher dagegen, dass Miriam Bachmann die Modekrankheit ADHS zurecht rückt und ihren Anteil an den Hochbegabten mit 2-4 % beziffert, sowie die Medikation nicht als erste Wahl kommuniziert. Sehr gut gelungen ist der Teil mit Möglichkeiten praktischer Unterstützung. Kaijsa Johansson erläutert Hilfen für Underachiever. Werner Esser philosophiert über Mentoren und verliert dabei zuweilen den Faden zur praktischen Umsetzung. Gardy Hemmerde, die als Coach für hochbegabte Jugendliche tätig ist, weiß neben anderem vor allem durch ihre auf Respekt dem Gegenüber aufbauende Arbeitsweise zu überzeugen. Die durch die an die Jugendlichen gerichtete Frage „Was kann ich von dir lernen?“ im Erstgespräch demonstriert nicht nur den systemisch konstruktivistischen Ansatz ihrer Arbeit, sondern auch eine Haltung, die den im deutschen Schulsystem tätigen überwiegend gänzlich fremd ist. Die außerschulischen Angebote zur Förderung erschöpfen sich in einem speziellen mathematischen Angebot und das Frühstudium. Dabei ist lediglich der Artikel zur Förderung mathematisch besonders begabter Kinder interessant. Es wird schnell deutlich, welch komplexes und hohes Niveau diese Kinder erreichen und wie weit der lediglich auf Rechenübungen konzentrierte vierjährige Grundschulunterricht von den Fähigkeiten der Kinder entfernt ist. Diesem Artikel gelingt es besonders das Dilemma hochbegabter Kinder transparent zu machen. Letzteres kommt vor allem in dem Satz „Du Papa, die interessieren sich für das, was ich denke“ zum Ausdruck. Zum Frühstudium werden lediglich technische Gegebenheiten und Erfolgsquoten berichtet.

Nicht neu, dafür nach wie vor interessant, sind die Hinweise zum Philosophieren mit Kindern bereits im Grundschulalter. Während Wilfried Manke eine Hinwendung zu mehr Kreativität und freier Arbeit der Kinder in der Schule fordert, um die Motivation und die Nutzung der vorhandenen Potentiale umzusetzen, hat Gabriele Hartl für in der Schule gescheiterte begabte Kinder diesen Ansatz in ihrer Schule umgesetzt und prompt massive Schwierigkeiten mit der Schulbehörde im Genehmigungsverfahren. Erfreulich das zumindest die weiter führende Schule jetzt genehmigt ist und sehr erfolgreich eine Entschulung der Kinder vornimmt, um ihnen das Lernen überhaupt zu ermöglichen. Im Unterschied zu der gerne verbreiteten Auffassung, die psychologische Intelligenzdiagnostik würde nur einen einseitigen Wert liefern, der für die Schule nichts aussagt, gibt dieser Wert in realiter doch auch den Hinweis darauf, dass diese Personen anders, schneller und komplexer denken. Dieses zu ignorieren, führt bei einer alles andere als unwesentlichen Anzahl von Beschulten zu massiven Problemen. Diese Kinder und Jugendlichen haben erstmalig in Deutschland eine schulische Heimat gefunden und damit die Chance nicht, wie das immer häufiger vorkommt, einfach in geschlossene Anstalten abgeschoben zu werden. Vor diesem Hintergrund wirkt dann der nivellierende und die Inklusion verteidigende Ansatz von Olaf Stenbuck wie eine riesige und bedrohliche schwarze Wolke.

Das Buch bietet Licht und Schatten. Es lohnt sich dennoch hineinzuschauen. Einige Aspekte sind neu und vor allem für die interessierten Laien tröstlich. Für Lehrkräfte bieten sie Ideen, mal anders zu handeln.

Autor: Thomas Trautmann, Winfried Manke (Hrsg.)

Begabung – Individuum – Gesellschaft

Begabtenförderung als pädagogische und gesellschaftliche Herausforderung

Beltz Juventa, Weinheim und Basel 2013

242 Seiten, Broschur, 39,95€

ISBN: 978-3-7799-2856-0

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Interessierte Laien 4 / 6


Autor: Howard T. Webb
Hochbegabte Kinder

Es gibt nur sehr wenig Literatur, die sich gezielt an Eltern wendet und sie mit dem Umgang mit hochbegabten Kindern und Jugendlichen vertraut machen soll. Anders als die bisherigen Bücher versucht dieses Buch die gesamte Spanne der Aufgaben von Eltern mit den Heranwachsenden zu erfassen. Vom frühen Aufwachsen bis über die Pubertät hinaus, von Kommunikation mit den Kindern und der Erziehung derselben, bis hin zum Umgang mit den Institutionen Kindergarten und Schule werden alle Bereiche beleuchtet. Es gibt Tipps und Ratschläge in großer Fülle.

Dies gelingt mit einem unterschiedlichen Grad von Nützlichkeit. Sehr gut gelungen sind alle Bereiche, die sich mit der Kommunikation, der Erziehung und dem Wesen der Kinder und Jugendlichen beschäftigen. Von Intensität, Perfektionismus, Geschwistern, Peers, Bekanntschaften, Disziplin und Selbstmanagement wird einfach nichts ausgelassen. Gründlich werden die Unterschiede in der Entwicklung und der Persönlichkeit hochbegabter Kinder dargestellt und Hilfen zum Umgang zur Verfügung gestellt. Es werden die Erziehungsthemen aufgegriffen und sich auch nicht davor gescheut, diese in eine Rahmung von Werten und Traditionen zu stellen. Dabei werden schwierige Gegebenheiten nicht unter den Teppich gekehrt. Die Komplexität von Erziehung wird genauso aufgegriffen, wie die Herausforderung zweifach außergewöhnlicher Kinder, womit dann unter anderen hochbegabte Kinder mit Lernstörungen, ADHS und Asperger angesprochen werden. Dies alles geschieht auf der Basis einer hilfreichen Beschreibung der Unterschiede von hochbegabten Kindern mit anderen, ohne dass dabei der Charakter einer plumpen Checkliste entsteht.

Nicht zu verleugnen ist, dass die Autoren alle aus den USA kommen. Je nach Thema schimmert dies im Buch mehr oder weniger durch. Insofern misslingt dann insbesondere der Part zu den Schulen, in denen zu viel auf das amerikanische, in keinerlei Hinsicht übertragbare, Schulsystem Bezug genommen wird. Hier wäre ein komplettes Umschreiben nützlicher gewesen. Das gestückelte Anfügen von Informationen zum deutschen Schulwesen wirkt sehr unglücklich. Dazu fallen insbesondere viele Verweise auf amerikanische Organisationen und Literaturhinweise auf. Hilfreich ist die gut strukturierte Auflistung von Institutionen rund um das Thema Hochbegabung im Anhang.

Insgesamt verbleibt ein positiver Eindruck und das Buch sollte neben den Büchern „Hochbegabte Kinder klug begleiten“ von Arnold und Preckel und „Hoch begabt - und trotzdem glücklich“ von Horsch, Müller und Spicher im elterlichen Bücherregal nicht fehlen.

Autor: Howard T. Webb

Hochbegabte Kinder

Das große Handbuch für Eltern

Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern 2012

595 Seiten, gebunden, 34,95 €

ISBN: 978-3-456-85157-0

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Psychologie

Bücher zu allen Gebieten der Psychologie finden sich hier, mit Ausnahme der Lern-und Entwicklungspsychologie. Bücher zur Lernpsychologie finden Sie unter Lernen, die zur Entwicklungspsychologie unter demselben Stichwort.

Autor: Falko Rheinberg, Regina Vollmeyer
Motivation

Was bringt uns dazu, zu tun, was wir tun? Werden wir von außen oder von innen dazu gebracht? Was bestimmt die Prioritäten unseres Handelns? Motivation ist der Bestimmungsfaktor für die Antworten auf diese Fragen. Insgesamt ist Motivation ein komplexes Konzept, dem man sich unterschiedlich nähert und dessen Anwendungen sehr unterschiedliche Implikationen haben.

Falko Rheinberg und Regina Vollmeyer legen in ihrem Grundriss den Schwerpunkt der Darstellung auf die möglichen Bestimmungsgründe von Motivation und zwei größere Anwendungskomplexe. Basierend auf der historischen Entwicklung nähern sie sich den Bestimmungsfaktoren zunächst über die Konstrukte Instinkt und Trieb. Damit einher geht die Diskussion, inwieweit der Mensch handelt, weil er aus der Notwendigkeit in ein Handeln gedrückt wird oder ob er aus anderen Gründen hingezogen wird. Diese Überlegungen führen dann sehr schnell in die Auseinandersetzung mit dem Bezug von der Person zur Umwelt und umgekehrt. Anhand der Anwendungen Leistungs- und Machtmotivation verdeutlichen die Autoren Einflüsse der Umwelt, Möglichkeiten der Trainierbarkeit und, vor allem für den Bereich der Macht, Gegebenheiten einzelner Aspekte der Persönlichkeit. Mittlerweile wird Motivation als wesentlich komplexere Kombination unterschiedlicher Umwelt- und Persönlichkeitszusammenhänge betrachtet, die entsprechend zu komplexeren Sichtweisen und Modellen führen. So spielt zum Beispiel die Frage der Unterscheidung von Selbstwirksamkeits- und Ergebniserwartungen eine nicht unwesentliche Rolle. Auch das Erfahren und Streben nach Flow-Erlebnissen, die als Handeln in der leichten Überforderung für uns Menschen offensichtlich ein besonders angenehmes Lern- und Handlungserleben ist, spielt eine wichtige Rolle. Ebenso kann man das Konzept des Willens (Volition) im Zusammenhang mit motivationalem Handeln betrachten. Die aktuellen Diskussionen bewegen sich dann beispielsweise an motivationalen Selbstbildern oder der motivationalen Kompetenz. Abschließend schildern die Autoren noch Methoden zur Messbarkeit von Motivation und setzen sich mit diesen kritisch auseinander.

Den Autoren ist ein in sich geschlossen und gut lesbar wirkendes Werk gelungen, das einen sehr guten Einstieg in die Thematik ermöglicht, ohne ständig den Charakter eines Lehrbuches zu vermitteln. Die Themenauswahl wirkt schlüssig und bildet einen abgerundeten Rahmen.

Autor: Falko Rheinberg, Regina Vollmeyer

Motivation

Reihe Grundriss der Psychologie Band 6

Verlag W. Kohlhammer, 8. aktualisierte Auflage Stuttgart 2012

251 Seiten, Taschenbuch, 18,00 €

ISBN: 978-3-17-022189-5

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Fachkräfte 5 / 6
Interessierte Laien 4 / 6


Autor: Astrid Schütz, Matthias Brand, Herbert Selg, Stefan Lautenbacher (Hrsg.)
Psychologie

Einführungen in komplexe und große Themenfelder sind üblicherweise gezwungen, Schwerpunkte zu setzen. Im Falle dieser Einführung liegt der Fokus klar auf dem Anreißen möglichst vieler Themengebiete. Insofern gelingt ein grober Überblick über Grundgedanken und Interessensgegenstände der Psychologie.

Genau hier wirkt das Buch dann auch abschnittsartig. Grob unterteilt in die Rubriken Grundlagen, Anwendungsfelder und Studium nehmen eine Vielzahl von Autoren den weiten Kern der Psychologie, ihrer Methoden und Gegenstände auf. Während in den Grundlagen von der Geschichte über das Studium und die beruflichen Perspektiven, die Methoden – von Evaluation bis Modellierung psychischer Prozesse – dargestellt werden, befassen sich die grundständigen Themen zum Beispiel mit Planen und Handeln, biologischer Psychologie und Entwicklungspsychologie. Damit finden sich nahezu alle in Deutschland betriebenen Forschungsfächer wieder. Es finden sich eher geläufige, wie die pädagogische und die klinische Psychologie, genauso, wie sich auch zunächst kleiner anmutende Gebiete, wie die Rechtspsychologie und die Verkehrspsychologie, finden. Interessant ist die Darstellung zum Fernstudium der Psychologie und vor allem das Kapitel über wissenschaftliches Lesen, Präsentieren und Schreiben. Wobei dem geneigten Leser empfohlen sei, zunächst das letzte Kapitel zum Lesen zu konsumieren, denn danach wird er mit mehr Erfolg die Inhalte des Buches sich erarbeiten können. Ergänzt wird die Publikation im Rahmen des Content Plus mit Inhalten im Internet, wo sich ein über 50 Seiten langes PDF mit Multiple Choice Fragen zu allen Kapiteln zum Selbststudium findet.

Den Autoren ist zumeist sehr gut gelungen, ihr jeweiliges Themengebiet interessant darzustellen. In allen Kapiteln wird ein Überblick geschaffen und der Verweis auf aktuelle Fragestellungen erbracht. Die einzelnen Kapitel sind klar gegliedert, starten mit einem auf das Kapitel bezogenen Inhaltsverzeichnis und schließen mit Literaturempfehlungen zum Weiterlesen und der üblichen Literaturliste ab. Vor den Empfehlungen gibt es noch einen kleinen Absatz mit Denkanstößen. Die Sprache ist deutlich fachlich und wissenschaftlich, was bei der gewaltigen Komprimierung der Inhalte durchaus eine Herausforderung darstellt.

Insgesamt ist eine sehr gelungene Publikation entstanden, die vor allem den Anspruch, ausreichend ein Themengebiet in seiner Vielfalt darzustellen und trotzdem übersichtlich zu bleiben, erfüllt. Das Buch ist hervorragend lektoriert und eignet sich zum ersten tiefen Überblick genauso, wie als Einstiegslektüre für den Studenten in jedem Semester zum jeweiligen Fach.

Autor: Astrid Schütz, Matthias Brand, Herbert Selg, Stefan Lautenbacher (Hrsg.)

Psychologie

Eine Einführung in ihre Grundlagen und Anwendungsfelder

Verlag W. Kohlhammer, 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage Stuttgart 2011

585 Seiten, gebunden, 39,90 €

ISBN: 978-3-17-021456-9

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Statistikkenntnisse 1 / 6
Gesamtbewertung 8 / 11

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Fachkräfte 5 / 6
Interessierte Laien 3 / 6

psychologische Diagnostik

Alle Bücher rund um Diagnostik in der Psychologie und Evaluationstheorien finden sich hier.

Autor: Dr. Lutz F. Hornke, Dr. Manfred Amelang, Dr. Martin Kersting (Hrsg.)
Enzyklopädie der Psychologie - Leistungs-, Intelligenz- und Verhaltensdiagnostik

Die Enzyklopädie der Psychologie unternimmt den Versuch, sämtliche Erkenntnisse der Psychologie zu erfassen und darzustellen. In diesem Band geht es dabei vorrangig um Verfahren der Diagnostik in den Bereichen Leistung und Intelligenz. Die Diagnostik des Verhaltens wirkt etwas unterrepräsentiert.

Den Einstieg bildet ein sehr ausführliches Kapitel zur Testtheorie. Danach folgt Konzentrationsdiagnostik und es wird über geeignete Verfahren und ihre Probleme berichtet. Vor allem wird darauf verwiesen, dass die Probanden physisch gesund sein müssen und auch keine anderen Beeinträchtigungen die Messung der Konzentration einschränken dürfen. Insbesondere werden die spezifischen Schwierigkeiten thematisiert, den Test so einfach zu gestalten, dass Konzentration gemessen werden kann, gleichzeitig aber noch herausfordernd zu sein, dass Verweigerung aus Langeweile das Ergebnis nicht verfälscht. Bei der Diversität an kognitiven Voraussetzungen ist dies eine Herausforderung, die nicht vollständig gelingen kann. Im Zuge der ADHS-Diagnostik ergeben sich hier wichtige Hinweise.

Sehr eingehend beschäftigen sich die Autoren mit der Intelligenzdiagnostik. Hier werden Modelle der Intelligenz genauso geschildert, wie Methoden der Messung. Erkennbar sind die Autoren dieses Abschnitts Anhänger hierarchischer Modelle, wie sie zum Beispiel von Jäger mit dem Berliner Intelligenz-Strukturmodell vorgestellt wurden oder im Rahmen des Catell-Horn-Caroll Modells vorliegen. Die dazugehörigen Diagnoseinstrumente werden einer kritischen Prüfung unterzogen. Eine 68 Seiten starke Tabelle bringt die meisten gängigen Testverfahren und ihre einzelnen Untertests in Bezug zu den Komponenten der Intelligenztheorien obiger Modelle und der Three-Stratum-Theorie von Caroll. Andere Intelligenztheorien (Gardner, EQ, …) werden wegen fehlender wissenschaftlicher Nachweise abgelehnt.

Einen besonders breiten Raum nimmt die Diagnostik mit technischen Hilfsmitteln ein und die sich daraus ergebenden Anforderungen auf die Interpretation der Testergebnisse. Dies bezieht sich sowohl auf die Computertestung als auch auf ambulante Testungen. Bei diesen gilt es zum Beispiel spontan Emotionen und begleitende Ereignisse festzuhalten und diese dann zu übertragen. Auch technische Messverfahren, wie sie beispielsweise im Rahmen der Informationsverarbeitungsbeobachtung eingesetzt werden, werden eingehend erläutert. Durch den Einsatz von Computern werden adaptive Testungen erst ökonomisch durchführbar. Bei diesen richtet sich der Schwierigkeitsgrad eines Items am Ergebnis des vorherigen aus. Dazu kommen Leistungs- und Schultestverfahren und die Entwicklungsdiagnostik.

Das Buch ist hervorragend geschrieben und mit etwas statistischem Wissen gut zu verstehen. Besonders beeindruckend ist die Tabelle zur Intelligenztestung, die dem Profi eine sehr genaue Einordnung gängiger Verfahren erlaubt.

Autoren: Dr. Lutz F. Hornke, Dr. Manfred Amelang, Dr. Martin Kersting (Hrsg.)

Enzyklopädie der Psychologie - Leistungs-, Intelligenz- und Verhaltensdiagnostik

Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen 2011

657 Seiten, gebunden, 159,00 €

ISBN: 978-3-8017-1526-7

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Lesbarkeit 5 / 6
Inhalt 6 / 6
Statistikkenntnisse 3 / 6
Gesamtbewertung 10 / 11

geeignet für:

Lehrkräfte 2 / 6
Fachkräfte 6 / 6
Interessierte Laien 2 / 6


Autor: Klaus D. Kubinger, Stefana Holocher-Ertl (Hrsg.)
Fallbuch AID

In der Intelligenzdiagnostik herrschen statische Diagnostika vor. Adaptive Diagnostika, bei denen der Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellung dem Niveau des zu testenden angepasst wird, gibt es nur ganz wenige. Ob ihrer offensichtlich überlegenen Effizienz gegenüber statischen Diagnostika, ist dies durchaus bedauerlich. Die meisten sind gestützt auf die Nutzung von Computern und werden bevorzugt in der Forschung genutzt. Eine Ausnahme stellt das Adaptive Intelligenz Diagnostikum, kurz AID, dessen aktuellste Version 2.2 seit 2009 vorliegt, dar. Einsetzbar bei Kindern von 6 Jahren bis zu 15 Jahren und 11 Monaten bietet es eine Vielzahl unterschiedlicher Einsatzgebiete in der Intelligenzdiagnostik. Da es auch eine Normierung für Kinder mit türkischem Migrationshintergrund gibt, verfügt der AID über ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.

Neben den Details zum Testverfahren schildert das Buch überwiegend Fallbeispiele, in denen Praktiker die Anwendung des AID auf unterschiedliche Fragestellungen demonstrieren. Das Verfahren eignet sich sowohl für die Diagnostik bei kognitiver Minder- also auch Hochbegabung. Dazu findet es Anwendung bei der Diagnostik von Verhaltensstörungen, im klinischen Alltag und der Lernbehinderung. Im schulischen Umfeld können sowohl Beiträge zur Schullaufbahnberatung als auch zu Entwicklungsstörungen schulischer Kompetenzen zum Beispiel bezüglich einer LRS oder Dyskalkulie erbracht werden. Darüber hinaus ist auch die Anwendung bei ungewöhnlichen Fällen möglich. So können Aussagen im Zusammenhang mit der Bestellung eines amtlichen Betreuers auch für ältere Personen getroffen werden. Oder man setzt das Verfahren bei der Fragestellung ein, ob ein altersbedingter Abbau der Intelligenz oder eine verzerrte Selbstwahrnehmung in hohem Alter vorliegt.

In jedem Fallbeispiel wird auf der Basis der Anamnese der Einsatz der Diagnostika detailliert erläutert. Viel Wert wird auf die genaue Analyse und Interpretation der Ergebnisse gelegt. Hier kommt zumeist der zum AID gehörende Beobachtungsbogen zum Einsatz, der die Möglichkeit eröffnet, ergänzende Hinweise zum Umgang mit dem Test zu liefern. Dazu lässt sich auf diesem Weg die Testierbarkeit des Kindes belegen. An welcher Stelle der AID besonders nützlich war bei der Klärung der Aufgabenstellung, wird in jedem Fallbeispiel zum Abschluss noch einmal zusammengefasst.

Besonders für Psychologen in der Diagnostik gibt dieses Buch nützliche Hinweise und ermöglicht ein intensives Einarbeiten in das Testverfahren. Alle Beiträge sind gut lesbar geschrieben und verfügen über die nötigen Details, sich ein differenziertes Bild machen zu können. Eine gelungene Publikation.

Autoren: Klaus D. Kubinger, Stefana Holocher-Ertl (Hrsg.)

Fallbuch AID

Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen 2012

438 Seiten, Broschur, 39,95 €

ISBN: 978-3-8017-2389-7

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Inhalt 4 / 6
Statistikkenntnisse 2 / 6
Gesamtbewertung 8 / 11

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Lehrkräfte 3 / 6
Fachkräfte 5 / 6
Interessierte Laien 3 / 6


Autor: Franz Petermann, Monika Daseking (Hrsg.)
Fallbuch HAWIK-IV

Das in Deutschland gebräuchlichste Intelligenzdiagnostikum für Kinder ist der HAWIK-IV, heute nach einem Verlagswechsel WISC-IV (Wechsler Intelligence Scale for Children-IV) genannt. Dieses den statischen Diagnostika zuzuordnende Verfahren biete in vier Skalen Informationen zu Verarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis, wahrnehmungsgebundenem logischen Denken und Sprachverständnis. Dazu ist ein Gesamt-IQ ermittelbar und in bestimmten Ergebniskonstellationen gibt der AFI (allgemeiner Fähigkeiten Index) Auskunft über den IQ als kognitives Potential. Die Auswertungsmöglichkeiten sind vielfältig und geben auch Auskunft hinsichtlich kognitiver Defizite.

So beziehen sich die Fallbeispiele auf unterschiedliche psychologische Fragestellungen. Neben den üblichen Fragen zu intellektueller Minder- und Hochbegabung oder Lernbehinderungen, werden auch schulisch orientierte Fragestellungen der LRS-, Legasthenie- und Dyskalkulie-Diagnostik dargeboten. Insbesondere auch auf dem Erfahrungshintergrund des für die Testnormierung zuständigen Zentrums für Klinische Psychologie und Rehabilitation an der Universität Bremen beruhen die Fallbeispiele zur Diagnostik von ADHS, Epilepsie, Depression und Schlaganfall. Wie in der Reihe üblich, werden in allen Fallbeispielen ausgehend von einer gründlichen Anamnese und einer entsprechenden Erörterung der abzuklärenden Fragestellung alle angewandten Diagnostika vorgestellt und deren Ergebnisse detailliert analysiert und interpretiert.

Dies gelingt zumeist in gut verständlicher Form. Klar werden so die zur Verfügung stehenden Auswertungsangaben. Zu jedem Fallbeispiel wird der besondere Beitrag des WISC-IV entsprechend angegeben. Eine nützliche Publikation vor allem für Anwender des Testverfahrens und Berater, denen regelmäßig Gutachten mit diesem Testverfahren vorgelegt werden.

Autoren: Franz Petermann, Monika Daseking (Hrsg.)

Fallbuch HAWIK-IV

Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen 2009

232 Seiten, Broschur, 29,95 €

ISBN: 978-3-8017-2199-2

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Autor: Matthias Ziegler, Markus Bühner
Grundlagen der Psychologischen Diagnostik

Psychologische Diagnostik begegnet uns im Alltag ständig. Meist allerdings ohne dass wir dies als solche registrieren. Früher vor dem Einstieg als Wehrdienstleistender bei der Bundeswehr, als Arbeitssuchender beim Arbeitsamt auch heute noch und im Berufsleben bei Entscheidungen über die Besetzung neuer Stellen. Die damit verbundene Verantwortung der Handelnden wird auch anderweitig wahrgenommen und mündete in der DIN-Norm 33430, die den Umgang mit psychologischen Diagnostika regelt.

Der Einsatz von Diagnostika in der Psychologie ist kein Selbstzweck. Die Autoren heben hervor, dass Diagnostikum und Fragestellung aufeinander abzustimmen sind. Wesentlich ist ebenfalls, wie die Ergebnisse interpretiert werden. Ein verantwortlicher Umgang ist erforderlich und durch Fachkräfte zu gewährleisten. Welche Kriterien aus wissenschaftlicher Sicht anzusetzen sind, damit ein Diagnostikum nützlich ist wird ebenso diskutiert, wie die Behandlung von Fehlern. Dazu kommt, dass vor dem Einsatz zunächst einmal genau die Aufgabenstellung zu klären ist und erläutern wie psychologische Fragestellungen zu formulieren sind. Darauf folgt die Entwicklung und/oder Auswahl der Diagnostika und die Erstellung ihrer Regeln und Operationalisierungen. Es folgen Schilderungen des Einsatzes der Diagnostika im Rahmen eines Untersuchungsplanes und die sich daraus ergebenden Entscheidungen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Erstellung von Gutachten gelegt. Wie, wer und in welcher Form diese Erstellen darf und vor allem wie diese in ihrer Struktur zu betrachten sind, wird ausführlich dargestellt.

Die Autoren unterfüllen ihre Ausführungen durch die Einbeziehung von Fallbeispielen und der Schilderung und Einordnung von Diagnostika. Eine gut verständliche Sprache führt in die fachliche Terminologie ein. Grafiken und bildliche Darstellungen ergänzen den Stoff kompetent und ermöglichen ein verbessertes Lernen. Jedem Kapital ist ein Literaturliste mit weiterführender Literatur gewidmet, die Appetit auf die Vertiefung des jeweiligen Abschnittes macht, soweit der Leser Interesse daran hat.

Klare, schnörkellose Sprache, gut ergänzende Grafiken und der starke Praxisbezug erleichtern den Einstieg in dieses Thema. Ein sehr gelungenes Lehrbuch, das auch für interessierte Laien ein erstes Verständnis der Materie ermöglicht.

Autoren: Matthias Ziegler, Markus Bühner

Grundlagen der Psychologischen Diagnostik

Lehrbuch Basiswissen Psychologie

Springer VS, Wiesbaden 2012

173 Seiten, Broschur, 16,95 €

ISBN: 978-3-531-16710-7

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Entwicklungspsychologie

Bücher zu allen Gebieten der Entwicklungspsychologie finden sich hier, insbesondere auch zur Anwendung der Entwicklungspsychologie.

Autor: Klaus Fröhlich-Gildhoff
Angewandte Entwicklungspsychologie der Kindheit

Die Entwicklung von Kindern geschieht in einem komplexen Zusammenhang von Umwelt und intrapersonalen Gegebenheiten des einzelnen Kindes. Drei Bereiche der Umwelt, die im Leben eines Kindes einen ganz besonderen Stellenwert haben, werden vom Autor im Rahmen der Anwendung entwicklungspsychologischer Unterstützungsprogramme besonders in den Fokus genommen: die Familie, die Kindertagesstätte und die Grundschule.

Schon zu Beginn werden die Schwierigkeiten der Aufgabe auch dadurch deutlich, dass eine Definition von Störungen oder unterstützungsbedürftigem Verhalten nur mit wiederum definitionsbedürftigen Adjektiven gelingt. Besonders fällt hier das Wort "angemessen" auf. Ob nun angemessenes Verhalten oder angemessene Reaktionen die Forderung an das Kind oder die Definition bestimmen, immer wieder geht es um ähnliche Zuschreibungen. Was allerdings als angemessen zu gelten hat bleibt offen und so ist schon in der Diagnostik und der Zuschreibung von Problemen eine besondere Schwierigkeit gelegt, die vor allem in der Gefahr einer willkürlichen Zuschreibung von durch einzelne Personen als nicht wünschenswert angesehene Verhaltensweisen liegt. Das sollte kritischer betrachtet werden.

Stark wird das Buch in der Schilderung von Programmen zur Intervention und Prävention in der Familie, der Kindertagesstätte oder der Grundschule. Viele Programme werden in ihren Evaluationen und der praktischen Anwendung geschildert und ihr Nutzen dargestellt. So finden sich Programme bei Lese-Recht-Schreibschwäche und Dyskalkulie genauso wie Programme zur Stärkung der Resilienz und zur Reduktion von aggressivem Verhalten. Dazu kommen Schilderungen der Unterstützung von Familien in Gebietskörperschaften beginnend schon im pränatalen Bereich. Hier gelingt ein guter Überblick zum Einstieg in die jeweiligen Bereiche inklusive passender Literaturhinweise zur Vertiefung des Themengebietes. Im Anhang steht eine mehrseitige Tabelle mit allen vorstellten Programmen zusammenfassend zur Verfügung.

Dieses Buch stellt einen interessanten und gelungenen Einblick in die Anwendung entwicklungspsychologischer Programme dar, bei dem allerdings auch die Schwierigkeiten dieser Arbeit deutlich werden.

Autor: Klaus Fröhlich-Gildhoff

Angewandte Entwicklungspsychologie der Kindheit

Begleiten, Unterstützen und Fördern in Familie, Kita und Grundschule

W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2013

243 Seiten, Broschur, 28,90 €

ISBN: 978-3-17-021333-3

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Autor: Wolfgang Schneider, Ulman Lindenberger (Hrsg.)
Entwicklungspsychologie

Nach dem Wechsel der Herausgeber von Rolf Oerter und Leo Montada zu Wolfgang Schneider und Ulman Lindenberger präsentiert sich das Standardwerk in neuem Kleid. Optisch modern aufgemacht, werden die Strukturen innerhalb des Buches durch Farben unterstrichen.

Grundsätzlich bleibt die Struktur erhalten. Den Grundlagen folgt eine Darstellung der Entwicklung im Altersverlauf, der dann die Entwicklung ausgewählter Funktionsbereiche folgt. Im Anschluss werden Praxisfelder dargestellt. Hier werden dann Störungsbilder, sehr viel schulbezogene Themen und auch der Bereich des hohen Alters erläutert.

Das Buch ist klar gegliedert. Jedes Kapital verfügt über eine Einführung und eine deutlich hervorgehobene Zusammenfassung. In jedem Kapitel werden regelmäßig Denkanstöße angeboten, die als kleine Aufgaben zur Reflektion des Gelesenen anregen, und Definitionen werden jeweils in einem eigenen, einheitlich farblich unterlegten, Kästchen dargeboten. Sehr schön sind auch die Kästen „Unter der Lupe“, in denen Experimente und Beispiele hervorgehoben werden. Dazu kommen immer wieder Übersichten in eigenem Kästchen und Grafiken und Tabellen, die eine bessere Erfassung ermöglichen. Alle Kapitel und Unterkapitel sind nochmal in kleinere Abschnitte unterteilt. Dies erleichtert die Orientierung und ermöglicht eine Einteilung des Erarbeitens des Buches in kleinen Abschnitten. Abgeschlossen wird jedes Kapitel mit einem Verzeichnis weiter führender Literatur.

Inhaltlich sind alle Kapitel auf einem aktuellen Stand. Die Sprachführung ist fachbezogen wie erwartet und doch noch so, dass der interessierte Laie sich mit Gewinn einarbeiten kann. Die Themenauswahl erfasst alle zentralen Aspekte der Entwicklungspsychologie und ergänzt durch in der aktuellen Diskussion besonders beachtete Anwendungsfelder.

Es werden auch online-Materialien zur Verfügung gestellt. Diese bestehen unter anderem in Form von Ausschnitten aus dem Buch als separater Datei. So zum Beispiel der weiterführenden Literatur, dem Glossar mit Darstellung der deutschen und englischen Fachwörter und der Linkliste aus den einzelnen Kapiteln. Dazu kommen Hinweise zu Lösungen der Denkanstöße.

Der Übergang zu den neuen Autoren ist gelungen und das weiter geführte erfolgreiche Standardwerk verdient auch weiterhin positive Beachtung.

Autor: Wolfgang Schneider, Ulman Lindenberger (Hrsg.)

Entwicklungspsychologie

Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 7. vollständig überarbeitete Auflage 2012

882 Seiten, gebunden, 59,95 €

ISBN: 978-3-621-27768-6

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Lernen

Alles rund ums Lernen. Dies beinhaltet Bücher aus den Fachbereichen Lern- und Lehrpsychologie, pädagogische Psychologie, Didaktik inklusive der Fachdidaktiken und anderer didaktischer Ansätze. Dazu kommen Bücher, die sich auch mit weiteren Voraussetzungen des Lernens beschäftigen, zum Beispiel Bücher, die den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften und Lernen/Lehren thematisieren. Darüberhinaus finden sich hier auch Bücher zur Expertiseforschung.

Autor: Walter Edelmann, Simone Wittmann
Lernpsychologie

Lernen ist ein Prozess. Er beginnt bereits pränatal und setzt sich mit dem ersten Tag der Geburt fort. Die neurobiologischen Grundlagen des Gehirns und die bisherigen Erkenntnisse zur Struktur des Gedächtnisses bilden den Einstieg in die Materie, wie sie die beiden Autoren hier präsentieren.

Dabei zeichnen sie in ihrer Darstellung auch die historische Entwicklung der Ideen und Kenntnisse nach. Von den Ideen des Lernens über Reiz-Reaktionssysteme, die durch Konditionierung im Sinne Pawlows und die Behaviouristen zum Beispiel um Skinner geprägt sind, stellen sie den Weg zum instrumentellen Lernen her. Hier wird die Wirkung von positiver und negativer Verstärkung, Bestrafung und Löschung von Verhalten thematisiert. Es werden Methoden des Einwirkens auf die Lernsituation erläutert. Beispielgebend sind die Ideen von Thorndike. Begriffsbildung und Wissenserwerb werden dann kategorisiert. Unter anderem geht es um mechanisches, rezeptives und entdeckendes Lernen. Die Ideen von Gagné, Ausubel und Bruner werden dargestellt. Dazu kommen Fragen des Gedächtnisses, dualer Begriffsnetzwerke und ihre Umsetzung im Unterrichtsgeschehen. Verknüpfend sind dann die Gedanken zum Handeln und Problemlösen als Bestandteile des Lernens. Abschließend werden Theorie und Praxis miteinander verknüpft und die Bedeutung von Lernumgebungen und Motivation diskutiert. Insgesamt wird sehr komprimiert eine Fülle an Informationen geboten, die vielerlei Anregungen enthalten.

Die neue Auflage besticht in ihrer Gestaltung. Der Moderne Satz erleichtert das Lesen. Klare Gliederung, Glossar, Stichwort- und Personenverzeichnis ermöglichen leichtes Navigieren. Jedes Kapital enthält Forschungsberichte und eine Vielzahl von Selbsttestübungen zur Auseinandersetzung mit dem Stoff. Dazu kommen online-Materialien.

Das Lehrbuch ist auch in ausgezeichneter Form zum Selbststudium geeignet. Die Darstellungen sind entsprechend dem Anspruch eines Fachbuches anspruchsvoll und dennoch sehr gut zu lesen. Ein sehr gelungenes Lehrbuch.

Autor: Walter Edelmann, Simone Wittmann

Lernpsychologie

Beltz Verlag, Weinheim und Basel 7. Vollständig überarbeitete Auflage 2012

285 Seiten, gebunden, 39,95 €

ISBN: 978-3-621-27703-7

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Autor: Karl Josef Klauer, Detlev Leutner
Lehren und Lernen

Dieses umfangreiche Lehrbuch befasst sich mit einer Vielzahl von Aspekten des Lernens und Lehrens im Kindesalter und die Umsetzung in Schulkontexten. Geboten werden Informationen zu Einflüssen von Sozialformen auf Unterricht, Methodenwahl und die Funktionen des Lehrens. Lehrziele, Curriculumkonstruktion und Lehrfunktionen sind Themen. Dabei werden der Umgang mit Informationen und dem Transfer derselben erläutert. Lehrmethoden werden in unterschiedlichen Ansätzen gegenüber gestellt. Ein Abschnitt über die Lernerfolgsmessung ist ebenso Bestandteil wie die Auseinandersetzung mit Heterogenität in Begabung, Lernfähigkeit und Lernvoraussetzungen.

An vielen Stellen wird auf Hochbegabung verwiesen. Allerdings ist zumeist nicht zu erkennen, welche Definition von Hochbegabung den Aussagen unterlegt ist und es entsteht immer wieder der Eindruck, dass Hochbegabung und –leistung verwechselt werden. Lediglich im speziellen Teil zur Hochbegabung gelingt ein Verständnis der tragenden Ideen. Das Buch bezieht sich zumeist auf Metaanalysen, also die statistische Zusammenfassung einer Vielzahl von empirischen Untersuchungen zu einem Thema. Dabei bleibt der Bericht über die Ergebnisse häufig oberflächlich und wirkt unkritisch.

Insgesamt ein kompaktes Lehrbuch, dem leider Anteile zum Selbstlernen oder zu Forschungsbeispielen fehlen. Der Satz des Buches ist angenehm und hilfreich.

Autor: Karl Josef Klauer, Detlev Leutner

Lehren und Lernen

Einführung in die Instruktionspsychologie

Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2. Auflage 2012

245 Seiten, gebunden, 34,95 €

ISBN: 978-3-621-27667-2

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Autor: Paul Tough
Die Chancen unserer Kinder

Ein Buch über das Scheitern von Kindern in der Welt. Und wie man dies verhindert. Das hört sich doch gut an. Und dann bekommt man gleich noch gesagt, dass Intelligenz nicht wichtig ist. Super! Ach ja, die Welt des Autors sind die USA. Und scheitern tun hier offensichtlich nur Kinder aus sozial schwachen Vierteln. Und wenn man die nur mit der richtigen Charakterschulung ausstattet, werden sie am Ende noch richtig intelligent. Herrliches Wolkenkuckucksheim!

Paul Tough hat in einer enormen Fleißarbeit über mehrere Jahre unterschiedlichste Orte des Lernens von sozial schwachen Kindern in den USA aufgesucht, mit Vertretern von Organisationen gesprochen und an Unterricht und Wettbewerben beobachtend teilgenommen. Es ging ihm darum aufzuzeigen, was den Unterschied zwischen den Kindern machte, die Erfolg im Sinne des amerikanischen Gesellschaftsideals haben und jenen, die üblicherweise das 30. Lebensjahr nicht erreichen, weil sie im Rahmen ihrer Gangmitgliedschaften nicht überlebten. Getroffen hat er allerdings eher Kinder, von denen wir dann nicht erfahren, wie nachhaltig die erkennbaren aktuellen Erfolge und bezogen auf die Lebenszeit doch recht kurzen Veränderungen im Lebenslauf tatsächlich sind. Tough berichtet von diversen Forschungsergebnissen zur Charakterbildung und der Auswirkung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale auf den Lebenslauf eines Menschen. Aus diesen Ergebnissen wurden dann unterschiedliche Charakterbildungsprogramme entwickelt, über deren erfolgreiche Anwendung der Autor hier berichtet. Der Nachweis eines nachhaltigen Erfolges der Charakterbildungsprogramme gelingt allerdings nicht. Als ein besonders hilfreiches Beispiel benennt er das Erlernen des Schachspiels und breitet sich über dieses eine(!) erfolgreiche Beispiel in den USA seitenweise aus. Deutlich wird hier, wie höchste Leistung entsteht. Und in dieser Hinsicht sind die Ansätze und Methoden tatsächlich bemerkenswert. Bleibt dann doch, dass das Erlernen von Disziplin, Gewissenhaftigkeit und Selbstkontrolle bei den Kindern nicht zwingend auf die Leistungen in der Schule abfärbt. Und das obwohl Tough diesen Kindern aufgrund der erbrachten Schachleistungen auch eine hohe Intelligenz zuschreibt.

Insgesamt wird nicht klar, warum hier irgendetwas wichtiger sein soll als anderes. Zweifelsohne gelingt es einer Person jene Leistung zu entfalten, die ihrem persönlichen Potential, ihrer besonderen kognitiven Leistungsfähigkeit, also der Intelligenz, entspricht, wenn sie auch die entsprechende Persönlichkeitsstruktur hat. Und ohne Zweifel besteht zu dieser Entfaltung in einem von Armut geprägten Umfeld weit weniger die Möglichkeit, als sie Kindern in anderen Umfeldern zur Verfügung stehen. Und es bedarf dann einer sehr starken Persönlichkeit dieses in einem sozialen Umfeld, das von Armut geprägt ist, auch tatsächlich umzusetzen. Jedoch bleibt der Autor den Nachweis schuldig, dass dies generell möglich ist und in irgendeiner Form Intelligenz nicht notwendig macht, oder dass Intelligenz in irgendeiner Form weniger wichtig ist. Vielmehr scheint beides für außerordentliche Erfolge notwendig. Dies repräsentieren die Beispiele eher. Dazu wird immer die gesellschaftliche Notwendigkeit bestehen, Nachteile aus der Gemeinschaft heraus auszugleichen, wie auch immer das im Rahmen einer Gesellschaft organisiert wird.

Das Buch wirkt sehr sprunghaft. In typisch journalistischem Dokumentationsstil springt der Autor ständig zwischen den von ihm besuchten Orten hin und her. Das wirkt sehr unruhig und erfordert ständig den Faden neu aufzunehmen. Interessant sind die einzelnen Beispiele in jedem Fall, auch wenn die präsentierten wissenschaftlichen Ergebnisse nicht immer präzise wiedergegeben sind.

Autor: Paul Tough

Die Chancen unserer Kinder

Warum Charakter wichtiger ist als Intelligenz

J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 2013

315 Seiten, gebunden, 21,95 €

ISBN: 978-3-608-94803-5

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Pädagogik

Alles rund um Pädagogik, was nicht den anderen Gebieten zugeordnet werden kann, ist hier zu finden.

Reformpädagogik

Pädagogische Richtungen, die Anspruch haben reformpädagogisch zu handeln oder als solche bezeichnet werden. So zum Beispiel Literatur zu Maria Montessori, dem Jena-Plan oder auch der Landerziehungsheimbewegung.

Autor: Winfried Böhm
Die Reformpädagogik

In den letzten Jahren überlagerten Informationen über Kindesmissbrauch in der Odenwaldschule die Diskussion über reformpädagogische Ansätze und drängten eine kritische und sachliche Diskussion in den Hintergrund. Langsam gelingt es wieder den Blick auf die Inhalte zu werfen. Die hier vorliegende Monographie ist hervorragend dazu geeignet, sich auch als Laie einen ersten und sorgsam abgewogenen, keineswegs unkritischen, Überblick zu verschaffen.

Wilfried Böhm berichtet genauer über fünf reformpädagogische Ansätze. Paul Oestreichs eher aus der theoretischen Auseinandersetzung, die zum Konzept des "brüderlichen Menschen" führt, stammende Konzeption sucht einen anderen Weg als der dem praktischen Handeln als Lehrkraft entwachsene Jena-Plan Schulbildung nach Peter Petersen. Maria Montessori mit ihrem aus der Arbeit mit lernschwachen Kindern abgeleitetem Konzept der kosmischen Erziehung kontrastiert in ihrer strengen Vorgabe der Unterrichtsgestaltung mit dem offenen und an der Natur orientierten Konzept der Landerziehungsheimbewegung und deren erstem Vertreter Hermann Lietz. Und Rudolf Steiners Ansatz in der Waldorfpädagogik wählt mit den streng festgelegten Phasen nochmal einen ganz anderen Weg. Diese fünf Konzepte sind bis in die heutige Zeit vertreten und dürfen sich vor allem deshalb auch Reformpädagogik nennen, weil es ihnen nicht gelungen ist, sich als hauptsächliche Umsetzung schulischen Lernens durchzusetzen. Wäre dem so, so Wilfried Böhm, müsste folgerichtig unser aktueller klassischer Ansatz des schulischen Unterrichts als Reformpädagogik gepriesen werden. Folgerichtig befasst sich der Autor auch hauptsächlich mit der historischen Entwicklung der Reformpädagogik und des Schulwesens. Erst aus diesen Ereignissen heraus ist die Entstehung der Reformpädagogik erklärbar und nachvollziehbar. Dazu beleuchtet der Autor dann ergänzend die gedanklichen Hintergründe des reformpädagogischen Denkens und vor allem auch die in ähnlicher Form in anderen Ländern vorhandenen reformpädagogischen Ansätze. Schnell wird hier deutlich, dass Deutschland mit der Reformpädagogik nicht alleine dasteht.

Eine sehr schöne Monographie, die ihrem Anspruch gut genügt und einen gut nachvollziehbaren Überblick zur Reformpädagogik verschafft.

Autor: Winfried Böhm

Die Reformpädagogik

Reihe C.H. Beck Wissen: Montessori Waldorf und andere Lehren

Verlag C.H. Beck OHG, München 2012

126 Seiten, Taschenbuch, 8,95 €

ISBN: 978-3-406-64052-0

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Fachkräfte 3 / 6
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Autor: Peter Fauser, Jürgen John, Rüdiger Stutz (Hrsg.)
Peter Petersen und die Jenaplan-Pädagogik

Die Inklusion zwingt die Didaktiker, neue Konzepte zu entwickeln. Sie orientieren sich an individualisiertem Unterricht, selbstreguliertem Lernen und Projektarbeit. Neue Erkenntnisse? Nein! Ein Blick in die Umsetzung und theoretische Aufbereitung der Reformpädagogik zeigt uns, dass alles schon mal erdacht wurde. Nur eben in einem vollständigen (Schul)Konzept.

Die Jena-Plan Pädagogik von Peter Petersen, umgesetzt an der Universitätsschule in Jena ab 1923, bietet so ein Beispiel. Jahrgangsübergreifende Arbeit, individuelles Lernen, Lehrer als Lernbegleiter und gemeinschaftliches Gestalten der Schule unter massivem Einbezug der Eltern, prägen diesen schulischen Ansatz. Das Konzept ist offen für neue Entwicklungen gesellschaftlicher und inhaltlicher Art.

Das Buch basiert auf einem Workshop zu Peter Petersen und seinem Wirken, der am 04. und 05.November 2010 in der "Imaginata" in Jena stattfand. Thematisiert wird das Wirken Petersens in der Zeitspanne von 1923/1924 bis 1950/1952. Dazu kommt noch eine perspektivische Betrachtung seiner Wirkung auf schulische Entwicklungen in der Nachkriegszeit und darüber hinaus bis 1991. Insbesondere die Rezeption im nahen Ausland kommt ebenfalls zum Tragen. In der Weimarer Zeit werden vor allem die Umstände an der Universität Jena und die Berufung Petersens beleuchtet. Während der NS-Zeit wird Petersens Verhältnis zur NS-Administration und die Entwicklung an der Universität Jena thematisiert.

Peter Petersen selbst ist eine nicht unkritisch zu betrachtende Person. Auf der einen Seite ein klarer Befürworter eines inklusiven Ansatzes und Reformpädagoge, der sich in der Weimarer Zeit eher sozialistischen Ideen zugeneigt zeigt, verfällt er in der Zeit des Nationalsozialismus in angepasste Rhetorik und biedert sich dem System an. Das geht sogar so weit, dass er Deutschland im Ausland vertritt und ausländische Gefangene in KZ's per Unterricht zu Nazi-Gefolgsleuten auszubilden hilft. Gleichzeitig unterrichtet er an der Schule unter den Augen lokaler Nazigrößen Kinder jüdischer Eltern und von dem Widerstand angehörigen Eltern. Nach dem Krieg findet er sich dann als aktive Kraft in der Sowjetzone wieder, der gleichzeitig in den durch die Westmächte besetzen Zonen versucht Fuß zu fassen. Diese Ambivalenz sorgt auch dafür, dass er nirgends dazu gehört. Möglicherweise ein Mann, dem für die Durchsetzung seiner Ideen fast jedes Mittel recht ist.

Diese Publikation besticht durch ihre saubere wissenschaftliche Arbeit und ihren abwägenden Charakter. Vor allem die Einbeziehung einer zeitbezogenen Interpretation des Sprachgebrauchs erscheint sinnvoll. Die Autoren betonen auch die immer noch erforderliche weitere Forschung zum Gegenstand. Eine bemerkenswerte Publikation.

Autor: Peter Fauser, Jürgen John, Rüdiger Stutz (Hrsg.)

Peter Petersen und die Jenaplan-Pädagogik

Historische und aktuelle Perspektiven

Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2012

318 Seiten, gebunden, 75,00 €

ISBN: 978-3-515-10208-7

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Inhalt 6 / 6
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Fachkräfte 6 / 6
Interessierte Laien 5 / 6

Schule

Hier sind alle Bücher zu finden, die sich mit Schule beschäftigen. Dazu gehören Bücher zum professionellen Handeln in der Schule, genauso wie Literatur zur Bildungs- und Schulwissenschaft. Auch strukturelle Themen, wie zum Bespiel die Thematik rund um Schulen in freier Trägerschaft oder die Finanzierung und Führung von Schulen.

Autor: Christoph Eichhorn
Chaos im Klassenzimmer

Unruhe im Klassenzimmer, Mobbing unter Schülern und ge(über)forderte Lehrkräfte finden sich immer wieder in den Beschreibungen unterschiedlichster Medien und decken sich mit der Wahrnehmung von Eltern und Lehrkräften. Diese Situation als Chaos zu bezeichnen ist sicher werbewirksam und Aufmerksamkeit erheischend, allerdings trifft es die Situation nicht. Schließlich hat diese Situation Ursachen an denen nichts zufällig ist und es führt auch nicht zu unstrukturierten Zuständen. Diese Zustände sind wohlstrukturiert, wenn auch nicht in der von den Beteiligten gewünschten Form. Christoph Eichhorn hat eine Idee, was dagegen zu unternehmen ist: Classroom-Management ist das Zauberwort.

Classroom-Management ist die Schaffung neuer Strukturen und Werte, die zu einem anders geordneten Rahmen führen. Und dieser Rahmen soll vor allem eine förderliche Lernumgebung schaffen. Im Wesentlichen schlägt Christoph Eichhorn die Etablierung von Ritualen vor und ist damit nicht ganz alleine. Auch Christoph Türcke möchte unter anderem Rituale für mehr Aufmerksamkeit schaffen, wie er in seiner Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur vermerkt. Wie diese Rituale etabliert werden können, schildert der Autor für den Bereich der Schulen in seinem Buch, für den Bereich der Kindergärten übernimmt das seine Koautorin Antje von Suchodoletz.

Über die gesamte Lektüre entsteht der Eindruck, dass hier die Schüler (" "herausfordernde" Schüler") die Täter und die Lehrkräfte die Opfer sind. Erst die Tabelle ab Seite 139 mit der Darstellung der Classroom-Management-Beobachtungs-Skala lässt auch eine implizite Kritik an den Lehrkräften erahnen. In dieser werden auch Verhaltensweisen von Lehrkräften dargestellt, die klare Verursacher der oben geschilderten Umstände sind. So stellen sich dann die Lehrkräfte als Täter und die Schüler als Opfer dar. Tatsächlich werden gerade die Mobbingsituationen unbewusst oder bewusst von Lehrkräften erst geschaffen oder zulässig gemacht. Leider wird diese Seite überhaupt nicht beleuchtet. Damit besteht die Gefahr, dass die hier vorgeschlagenen Maßnahmen wieder nur als leere Rezepte angewandt werden und deshalb misslingen. Besonders die Bedeutung des Verhaltens der Lehrkräfte zum Gelingen der Maßnahmen zu thematisieren und nicht nur das förderliche Verhalten mit nicht näher erläuterten Stichworten (wertschätzend, .) zu erwähnen, wäre hier hilfreich gewesen.

Dem Autor ist ein hilfreiches Methodenbuch gelungen, das für Lehrkräfte mit wertschätzender Haltung gegenüber ihren Schülern und persönlicher Offenheit für Menschen und Phänomene äußerst nützlich ist. Alle anderen Lehrkräfte (ich fürchte die überwiegende Mehrheit) werden mit diesem Ansatz scheitern, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Schön, dass diese Ideen zur Gestaltung von Unterricht, so prägnant und praktisch orientiert zusammen gefasst sind.

Autor: Christoph Eichhorn

Chaos im Klassenzimmer

Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird

J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 2013

199 Seiten, Paperback, 16,95 €

ISBN: 978-3-608-94497-6

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Lehrkräfte 6 / 6
Fachkräfte 4 / 6
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Autor: Christian Füller
Ausweg Privatschulen?

Nehmen wir das Fazit und die grundsätzliche Vorstellung des Autors vorweg: Ein Schulsystem ausschließlich mit Schulen in freier Trägerschaft ist die Wunschvorstellung des auch für die taz schreibenden Journalisten Christian Füller. Der Staat gibt Bildungsgutscheine pro Schüler, die bei den gewählten Schulen eingereicht werden. Was die Schule darüber hinaus tut, ist dann deren besonderes Profil. Dies schließt Schulen, die vom Staat getragen werden, natürlich nicht aus. Die Behörde zieht sich auf Kontrollfunktionen zurück. Von diesem Verfahren erwartet der Autor mehr Wettbewerb und Innovation, Differenzierung des Angebotes und mehr Leistung durch Passung.

Wie das möglich ist, wird anhand vorhandener unterschiedlicher Beispiele dargelegt. Diverse Konzepte von Schulen in freier Trägerschaft werden vorgestellt. Zu Wort kommen die unterschiedlichsten Konzepte und Hintergründe. So sind Schulen aus dem Bereich der alternativen und der Reformpädagogik zu finden. Diese schließen die Walldorf-Schulen nach Steiner mit durchaus unterschiedlichen Ansätzen genauso ein, wie die Werkstattschule in Rostock oder der Neuen Schule in Hamburg mit ihren „graswurzeldemokratischen“ Ansätzen. Genauso erfahren wir die Ansätze der in die wegen langjährigen sexuellen Missbrauchs ihrer Schüler durch Lehrkräfte ins Gerede gekommene Odenwaldschule und die von Bettina Würth initiierte und über eine Stiftung finanzierte Freie Schule in Künzelsau. Letztere folgt dem Ansatz freien und selbstregulierten Lernens. Darüber hinaus zeigt sie, dass dort wo sich Menschen mit Einfluss engagieren auch ungewöhnliches realisierbar ist. So ist hier eine Schulgründung inklusive einer Grundschule gelungen. Neben diesen innovativen Konzepten erfahren wir auch etwas über die kirchlichen Schulen und jene Schulen, deren Träger ein kommerzielles Konzept verfolgen, wie die Phorms Schulen und der Metropolitan School in Frankfurt. Allen diesen Schulen ist gemein, dass sie Treiber des Schulsystems sind und oft zugleich auch Innovatoren. Mehr Leistung in angenehmerer Atmosphäre prägen die Schulen. Neue Konzepte kommen überhaupt nur hier zur Anwendung und können sich beweisen.

Nicht nur Christian Füller kann dagegen das Bestreben staatlicher Kultusbehörden benennen, deren einziger Zweck in der Verhinderung von privaten Initiativen besteht. So werden in Berlin ständig ehemalige Schulgebäude einer neuen Verwendung zugeführt, obwohl sich für jedes Schulgebäude gleich mehrere Initiativen bewerben, die dort eine Schule in freier Trägerschaft umsetzen möchten. In Bremen werden Anweisungen von Gerichten ignoriert beantragte Schulen zu genehmigen, und munter weiter prozessiert, in der Hoffnung, den Initiatoren ginge die Luft aus. So gelingt keine Verbesserung in der Schullandschaft, obwohl gerade die beiden genannten Bundesländer hier dringenden Nachholbedarf haben. In anderen Bundesländern gelingen dann zuweilen Überraschungen. So ist die Jena-Plan Schule eine mit historischen Wurzeln aus der Weimarer Zeit langjährig installierte Institution in staatlicher Trägerschaft im Land Thüringen und zählt zweifelsohne zu den Reformschulen der ersten Zeit. Und auch in Nordrhein-Westfalen ergeben sich Spielräume für anderes. Gleichzeitig lassen Schulen wie die Wartburg-Grundschule in Münster allerdings auch die Risiken solcher Projekte erkennen: Die Mittel stehen meist nur für eine Legislaturperiode zur Verfügung und was dann aus dem Projekt wird, steht in den Sternen.

Auch mit Märchen über Schulen in freier Trägerschaft wird aufgeräumt, so mit hohen Schulgebühren und der Vorstellung reiner Eliteschulen. Ein wunderbares Plädoyer für bessere und dem Kind gerechter werdende Bildung, spannend und anregend erzählt. Übrigens, wir alle dürfen Schulen gründen. Das steht im Grundgesetz. Ganz weit vorn in Artikel 7. Ist aber wohl, so scheint es, in Vergessenheit geraten….

Autor: Christian Füller

Ausweg Privatschulen?

Was sie besser können, woran sie scheitern

edition Körber-Stiftung, Hamburg 2010

274 Seiten, Broschur, 16,00 €

ISBN: 978-3-89684-077-6

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Inhalt 5 / 6
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Gesamtbewertung 9 / 11

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Lehrkräfte 4 / 6
Fachkräfte 5 / 6
Interessierte Laien 5 / 6


Autor: Heinz Klippert
Heterogenität im Klassenzimmer

Heterogenität ist geprägt durch Unterschiedlichkeit in Kulturen, ethnischer Herkunft, sozialer Schichtung, Interessen der Schüler, Erwartungen, Muttersprache, religiöse Bekenntnisse, Verhaltenskodizes, Entwicklungsniveau nach Piaget, Begabungen, … Ein bunter Strauß also, der sicher auch in früheren Zeiten, vielleicht nicht ganz in einer Ausprägung wie wir sie heute erleben, so schon vorhanden war. Heute schenken wir diesem Tatbestand mehr Beachtung. Da kann Herr Klippert nicht fernbleiben und verfasst schnell ein weiteres Buch, das er mit seinen bisherigen Vorschlägen füllt, wenn auch in angepasstem Kleid.

Zunächst darf der Leser vielfältige Polemik gegen das gegenwärtige Handeln erwarten. Da werden vor allem die deutsche Bildungsstruktur und das gegliederte Schulsystem aufs Korn genommen. Wir brauchen also dringend Gesamtschulen. Weil das in Skandinavien ja so gut funktioniert. Leider verliert Herr Klippert kein Wort über die in Finnland (wenn auf die Erfolge in Skandinavien rekurriert wird, kann hier tatsächlich nur Finnland erwähnt werden) vorherrschende gesellschaftliche Akzeptanz des Leistungsprinzips und die Auswahl der Lehrkräfte aus den besten Absolventen der Fachstudien. Wenig wird auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse diskutiert. Es bleibt bei Meinungen. So verwundert es auch nicht, wenn Klippert beim Umgang mit Begabungen auf das einzige Intelligenzmodell zurückgreift, zu dessen wissenschaftlicher Belegbarkeit selbst der „Erfinder“ desselben freimütig bekennt, dass es bis heute (über 25 Jahre nach der ersten Publikation) keinerlei wissenschaftliche Fundierung dafür gibt, außer den Beobachtungen des „Erfinders“ selbst natürlich.

So finden sich dann des Weiteren im Buch auch konsequent die Erfindungen und Beobachtungen von Herrn Klippert, die zweifelsohne auch ihre Erfolge haben, wieder. Unterricht soll in Lernspiralen und vor allem ganz besonders kleinteilig gestaltet werden. Andere Methoden werden erwähnt und erläutert und gleichzeitig massiv kritisch betrachtet, wenn auch die Tabellen zu den unterschiedlichen Methoden und generellen Ideen zur Unterrichtsgestaltung als Ideensammlung hilfreich sind. Die besondere Qualität von Lernspiralen bestehe nun darin, dass vor allem die Leistungsstärkeren Schüler Lehraufgaben übernähmen und damit sowohl sich selbst per se förderten als auch natürlich ihre Mitschüler. Schüler also als ständige Hilfslehrer, ohne allerdings die Möglichkeit zu erhalten, ihre eigenen kognitiven Grenzen ausprobieren zu können. Das Ganze dient der Lehrkraft. Seitenweise wird man darauf hingewiesen, dass diese Berufsgruppe völlig überlastet sei. Probates Mittel dagegen ist, neben den Schüler-Hilfslehrkräften, die zweifelsohne sinnvolle Idee mehr mit den Kollegen zu kooperieren und die Klassenampel. Wird diese auf Rot gestellt, so ist die Lehrkraft für die Schüler jetzt nicht ansprechbar. Auch eine Form der Berufsausübung. Immerhin kann so die Heterogenität unter Kontrolle gebracht werden.

Kleinteiligkeit in der Darbringung von Stoff, Hilfslehrkraftaufträge als Dauerzustand für die Leistungsstarken und klar vorgegebener Stoff sind die Zaubermittel von Herrn Klippert. Und natürlich dürfen wir die Lernspiralen nicht vergessen. Individualisierung dagegen ist ein Irrweg. Einheitlichkeit führt zum Ziel. Ohne Beachtung von Alter, Religion, Entwicklungsstand, Begabung, Interessen, … Ja, genauso wurde bisher auch schon unterrichtet. Nur hat das Kind jetzt einen neuen Namen. Und passt besser in die politische Landschaft. Das allerwichtigste Ziel der Lehrkraft, laut Klippert, zum Gelingen des Umgangs mit Heterogenität will ich dann doch nicht unterwähnt lassen und zitiere es gleich direkt aus dem Vorwort: „Im Klartext: Das Unterrichten in heterogenen Schülergruppen hat letztlich nur dann eine Chance, wenn sich der Vorbereitungs- und Betreuungsaufwand der Lehrkräfte in recht engen Grenzen hält und wenn zudem sichergestellt ist, dass die Leistungsschere zwischen den einzelnen Schüler/innen nicht immer weiter auseinandergeht.“ (Seite 12) Warum bei dieser Vorgabe noch so viel Text.

Wer schon ein Buch von Klippert gelesen hat, wird nur wenig Neues entdecken, wenn auch in anderer Verpackung. Mehr Kompaktheit, weniger Polemik und Wiederholungen würden das Buch im Format angenehmer gestalten und sicher ein Drittel weniger Text nach sich ziehen. Nützliches ist dem Buch kaum zu entnehmen.

Autor: Heinz Klippert

Heterogenität im Klassenzimmer

Wie Lehrkräfte effektiv und zeitsparend damit umgehen können

Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2. Auflage 2012

318 Seiten, Broschur, 29,95 €

ISBN: 978-3-407-62683-7

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Autor: Heiner Ullrich, Susanne Strunck (Hrsg.)
Private Schulen in Deutschland

Der Boom der Schulen in freier Trägerschaft zieht Aufmerksamkeit auf sich und löst entsprechend Diskussionen und wissenschaftliches Interesse aus. Die diversen Autoren dieses Bandes beschäftigen sich auf zwei Ebenen mit dem Phänomen. Zunächst werden konzeptuelle Ansätze unterschiedlicher pädagogischer Richtungen und ihre Trägerstrukturen dargestellt. Im zweiten Teil werden rechtliche und gesellschaftliche Fragestellungen teils kontrovers diskutiert.

Die Vielfalt der rechtlichen und inhaltlichen Strukturen von Schulen in freier Trägerschaft sind nicht einfach zu kategorisieren. Die Autoren lösen dies, indem sie einerseits bekannte langjährig etablierte Strukturen darstellen und sich dann ganz neuen Themen widmen. Neben den beiden großen Konfessionen der katholischen und evangelischen Kirche kommen die eher der Reformpädagogik zuneigenden Konzepte der Waldorf- und Montessori-Schulen sowie die freien Alternativschulen zu einer Analyse. Die internationalen Schulen stellen eine ganz besondere Kategorie dar, ist doch sowohl die Verfassungsmäßigkeit beim Status der Ersatzschule durchaus diskussionswürdig als auch die Zusammensetzung der Klientel sehr speziell. Als noch sehr neues Thema können die deutsch-türkischen Schulen gelten.

Gesellschaftlich sind die Fragestellungen der Gerechtigkeit und Sonderung von Schülern zu diskutieren. Hier ist sowohl die Massierung in einer Region von Relevanz, als auch die sich daraus ergebende Zulässigkeit einer Genehmigung der Schule, unter Berücksichtigung der Gefahr der sich daraus ergebenden Schließung einer staatlichen Schule wegen zu wenig Schülern. Dazu kommen dann Fragen nach einer höheren Qualität der Bildung an privaten Schulen im Vergleich zu staatlichen Schulen. Die Themen der Sonderung von Schülern nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit oder Klassenzugehörigkeit der Eltern werden ebenfalls einer Diskussion unterzogen. Es stellt sich immer auch die Frage der Schaffung von Eliten und der Rolle von Privatschulen in einer offenen und liberalen Demokratie. Die Antworten sind kontrovers und geben Überblick über die aktuellen Diskussionen

Eine interessante Zusammenstellung, die einen guten Überblick auf wissenschaftlichem Niveau der aktuellen Diskussionsstränge gibt. Durchaus lesenswert.

Autor: Heiner Ullrich, Susanne Strunck (Hrsg.)

Private Schulen in Deutschland

Entwicklungen-Profile-Kontroversen

Springer VS, Wiesbaden 2012

269 Seiten, Broschur, 16,95 €

ISBN: 978-3-531-18230-8

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Universität

Hier sind alle Bücher zu finden, die sich mit Universitäten, deren Lehre und Stakeholder beschäftigen.

Autor: Wolf Wagner
Tatort Universität

Bildungsdiskussionen machen in Deutschland keinen Halt vor dem Themenkomplex Universität. Dies nicht nur vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen im Studium, sondern auch im Rahmen der neu entfachten Diskussionen um Eliten und entsprechende Förderungen einzelner Universitäten oder deren Bereiche. Das hier nicht alles Gold ist, was glänzt, ist Gegenstand dieses Buches.

Wolf Wagner ist Professor an der Universität Erfurt. Seine Analyse basiert auf seinen eigenen Erfahrungen und dem Austausch mit Kollegen. Seine Vorschläge erinnern stark an die Ideen des selbstregulierten und forschenden Lernens. Und sie wirken bezogen auf die jetzt geübte Praxis an den Universitäten geradezu revolutionär, obwohl sie doch eher ein Zurück zum Verständnis der Universität der Vergangenheit sind.

Der Bologna-Prozess hat insgesamt zu einer Verschulung geführt. Übungen sind keine Übungen mehr, sondern Bestandteil der Prüfung. Die Studenten denken und handeln nur noch in Rhythmen der Klausuren und anderen Prüfungen, bei denen lediglich mehr oder minder Faktenwissen abgerufen wird. Freies Forschen, Raum für Fehler und wissenschaftliches Arbeiten bietet dieses Studium nicht mehr. So steigt die Unzufriedenheit über die Stoffmenge und das Studium an sich. Das Ergebnis ist eine stark gestiegene Anzahl an Studienabbrechern.

Wagner schlägt vor die Stoffmenge zu reduzieren, und das Bachelorstudium um ein Jahr zu erweitern. In diesem Jahr soll ein Rahmen für die Orientierung an wissenschaftlichem Arbeiten und für unterschiedliche Fächer gegeben werden. Nach der endgültigen Fächerwahl sollen in jedem Semester und mit der Zeit ansteigende Kapazitäten für forschendes Lernen geschaffen werden. Das Studium soll sich wieder mehr am Humboldt'schen Ideal orientieren.

Es gibt sicher noch mehr Gründe für die steigende Anzahl an Studienabbrechern und die sinkende Qualität der Ausbildung der Studienabgänger. Dies ändert nichts an den interessanten Vorschlägen von Wolf Wagner, die Beachtung verdienen.

Autor: Wolf Wagner

Tatort Universität

Vom Versagen deutscher Hochschulen und ihrer Rettung

J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 2010

187 Seiten, Paperback, 16,95 €

ISBN: 978-3-608-94614-7

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Lernschwierigkeiten

In diesem Bereich sind Rezensionen zu Büchern zu finden, die sich mit der Diagnostik und Behebung von Lernschwierigkeiten ganz unterschiedlicher Art beschäftigen. So finden sich hier Bücher zu LRS, Dyskalkulie, Verhaltensstörungen oder AD(H)S. Dazu kommen Bücher aus dem Bereich der Sozialpädiatrie und andere medizinische Themen, die negativen Einfluss auf das Lernen nehmen können, wie zum Beispiel Epilepsie.

Autor: Theodor Hellbrügge, Burkhard Schneeweiß (Hrsg.)
Kinder im Schulalter

Was macht denn nun so ein Kinderarzt alles? Schnell sind wir geneigt zu sagen, dass er Krankheiten heile. Damit greifen wir zu kurz, denn einige Ärzte beschäftigen sich auch mit den sozialen Komponenten ihres Faches und damit ihrer meist kleinen Patienten. Hier liegt es dann Nahe, dass das Thema Schule aufkommt und eine wichtige Rolle bei Problemstellungen einnimmt.

Dieser Sammelband zur Sozialpädiatrie verbindet vor allem Artikel zum Lehren und Lernen von Kindern, zu einer kritischen Betrachtung von Normabweichungen und zu einer interdisziplinären Betrachtung von Lernstörungen. Womit ein sehr viel weiteres Arbeitsfeld für Kinderärzte aufgespannt ist, als man dies üblicherweise wahrnimmt. Im Einzelnen beeindrucken vor allem die Artikel von Remo Largo und Elsbeth Stern zum Lernen. So fordert Largo konsequent die Schule, und das dortige Umsetzen des Lernens, auf, die Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit auszurichten und nicht weiterhin die Kinder der Schule anzupassen. Und Elsbeth Stern beschäftigt sich mit Lerntypen und stellt dar, wie Differenzierung gelingen kann. In den weiteren Kapiteln werden Themen wie Bewegung, Hochbegabung und Lese- /Rechtschreibschwäche aufgegriffen. Beiträge von Kinderärzten zu der Diagnostik und Behandlung von Lernstörungen oder auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, genauso wie die gesundheitlichen Belastungen von jugendlichen Gymnasiasten geben einen genaueren Einblick in konkrete Arbeits- und Betätigungsfelder von Kinderärzten. Alle Beiträge betrachten die vorhandenen Handlungsfelder als einen Bestandteil der Gesamtpersönlichkeit des Kindes und eingebettet in dessen Umfeld. Bei der Behebung erkannter Defizite wird folgerichtig auch immer ein Eingreifen in den gesamten Komplex als notwendig erachtet.

Das Buch ist ausgezeichnet zu lesen und zeigt das mögliches Leistungsspektrum eines Kinderarztes auf. Besonders beeindruckt die Differenziertheit, mit der die einzelnen Themen angegangen werden. Sehr interessant.

Autor: Theodor Hellbrügge, Burkhard Schneeweiß (Hrsg.)

Kinder im Schulalter

Verhaltensstörungen, Lernprobleme, Normabweichungen

J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart 2012

208 Seiten, gebunden, 32,95€

ISBN: 978-3-608-94723-6

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Personal und Führung

Bücher zu den Themenkomplexen Personal (im Unternehmen), Personalführung und Unternehmensführung

Autor: Heinz-Detlef Scheer
Reflecting Team Arbeit in Organisationen

Herr Wind ist seit Jahren Projektleiter. Seit einem halben Jahr führt er ein neues Projekt. Das Team ist aus Mitarbeitern mehrerer Abteilungen zusammengestellt. Herr Wind hat das Gefühl, dass zwischen den Abteilungen Eifersüchteleien herrschen und kein offener Informationsaustausch entsteht. Dazu kommt, dass sich die Beschwerden über seine Assistentin Frau Wald häufen. Diese wird von ihm regelmäßig mit Aufträgen an die Teammitglieder geschickt und er verlangt von ihr, die Auftragseinhaltung zu kontrollieren. In der Folge kommt das Projekt nicht richtig voran. Herr Wind ist ratlos und sucht nach Lösungen.

Situationen dieser Art sind Alltag in Unternehmen. Sie und viele andere, auch von Sachproblemen geprägte, Situationen löst Detlef Scheer mit dem Einsatz eines Reflecting Teams auf. Dabei stützt er sich auf die Erfahrung von ca. 1.500 Teamsitzungen. Der ratsuchende Herr Wind wendet zum Beispiel an den Autor oder ausgebildete Reflecting Team Moderatoren im Unternehmen. Dann wird ein Team von 5-6 Personen zusammengestellt, die nichts mit dem Projekt zu tun haben und auch nicht über Sachkompetenz verfügen müssen. Herr Wind wird in der Teamsitzung seinen Auftrag an das Team formulieren und seine Situation schildern. Das Team wird durch Fragen, die jeder abwechselnd und reihum stellt, sich ein Bild von der Lage machen. Dabei sind Perspektivenwechsel durchaus gefragt. Herr Wind könnte aufgefordert werden, in die Rolle von Frau Wald oder eines anderen Projektmitarbeiters zu schlüpfen. Hat das Team das Gefühl genug Informationen zu haben, beginnt es das Gehörte zu reflektieren und zu interpretieren. Herr Wind wird nur zuhören. Im Anschluss geben die Reflecting Team Mitglieder Herrn Wind einen Handlungshinweis, was Sie nun als nächsten Schritt unternähmen. Herr Wind nimmt die Ideen mit und entscheidet alleine, was er aus dem Gehörten macht.

Das Reflecting Team ist eine erprobte Methode der Beratung, die schon vor vielen Jahren entwickelt wurde und heute mit sehr vielen, oft wenig hilfreichen, Schnörkeln angewandt wird. Detlef Scheer hat bereits in den 70er Jahren an Reflecting Teams teilgenommen und dort zum Beispiel den damaligen Handballtrainer des THW Kiel beraten. Je einfacher ein Reflecting Team aufgebaut wird, desto effektiver gestalten sich die Ergebnisse. Die Arbeit im Reflecting Team ist fachlich durch eine systemisch konstruktivistische Grundhaltung geprägt. Im systemischen Ansatz wird eine Situation als Ganzes und in ihren Zusammenhängen betrachtet und nicht einzelne Teile analysiert. Konstruktivistisch sind sowohl die Haltung zu anderen Personen als auch mögliche technische Umsetzungen in den Fragestellungen. Die konstruktivistische Haltung ist davon geprägt, dass jeder Mensch seine eigene Welt aus seiner ganz persönlichen Wahrnehmung konstruiert. Dies erlaubt entsprechend, dass die ratsuchende Person ihre eigenen Ergebnisse aus der Teamarbeit konstruiert.

Das Buch schildert detailliert die Arbeit im Reflecting Team und alle erforderlichen Begleitumstände für eine erfolgreiche Arbeit mit diesem Instrument. Dem Autor gelingt es sowohl die notwendigen technischen Voraussetzungen als auch in besonderem Maße die sogenannten Soft Skills darzustellen. Der Leser erhält die Chance, seine eigenen Haltungen zu überdenken. Das Buch ist Lehrbuch und Nachschlagewerk zugleich. Eine sehr lesenswerte Lektüre.

Autoren: Heinz-Detlef Scheer

Reflecting Team Arbeit in Organisationen

Probleme einfach (auf)lösen im Team

BoD, 2. völlig überarbeitete Auflage Norderstedt 2012

179 Seiten, gebunden, 29,90 €

ISBN: 978-3-8482-2080-9

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Ratgeber und populäre Literatur

Dieser Titel erklärt sich selbst. Nützliches für den Leser daselbst und zumeist gut zu lesendes. Hier finden sich auch jene Bücher, die in den anderen Kategorien nicht wirklich passen wollen.

Autor: Maya Dähne
Deutschland sucht den Krippenplatz

Berlin. Aus den USA kommend, versucht die Familie der Autorin Fuß zu fassen und erlebt den eklatanten Unterschied zwischen deutscher und amerikanischer Mentalität. Während in den USA jeder für sich selbst verantwortlich ist, geht in Deutschland ohne den allwissenden und "schützenden" Staat gar nichts. So benötigt man doch tatsächlich einen Kita-Gutschein, um überhaupt eine Chance auf einen Kita-Platz zu haben, den man entweder für ehrenamtliche Tätigkeiten oder als Erziehender mit Job bekommt. Nur was macht man, wenn man einen Job sucht und den nur antreten kann, wenn man einen Kita-Platz hat? Dann braucht man den Nachweis für den Job, damit man den Kita-Gutschein bekommt, um einen Kita-Platz zu beantragen, dessen Zuweisung über ein Jahr dauert oder mehr kostet als man im Job verdient, womit man den Job nicht antreten kann, denn man hat ja keine Kinderbetreuung. Das erinnert uns dann doch fatal an den Hauptmann von Köpenick.

So kämpft sich die Autorin also du den deutschen Dschungel des Kindergartenwesens und der daran angeschlossenen anderen Betreuungsmöglichkeiten, wie dem Tagesmütterwesen. Das Kinderparadies Deutschland mit Kindergeld, Kinderbetreuungspauschale und diversen anderen kostspieligen Wohltaten im Bereich der Familienbetreuung verursacht bei den Freunden der Autorin in den USA nur Kopf schütteln. An so etwas ist dort nicht zu denken. Dort finanziert jeder seine Kinder selbst. Und doch ist die Stimmung gegenüber Kindern und dem Kinder bekommen in Deutschland wesentlich negativer als in den USA. Ob das wohl an der Überregulierung liegt? Oder doch nur an unserer Mentalität?

Maya Dähne führt uns mal lustig und mal uns weinend machend durch die Merkwürdigkeiten der deutschen Seele und des deutschen Staatsungeheuers bezüglich der Existenz von Kindern. Ungereimtheiten und Absurditäten, die Bewältigung des Alltags und vor allem die dann doch zuweilen sehr interessante Umsetzung von Kindertagesstätten in Elternträgerschaft lassen uns schmunzeln und aufschreien zugleich. Es wird deutlich, dass wir den Raum benötigen es wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Ein spannender Bericht direkt aus dem Leben. Eine lustige und traurige Lektüre zugleich.

Autoren: Maya Dähne

Deutschland sucht den Krippenplatz

Mein täglicher Wahnsinn zwischen Kita und Karriere

Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 2013

171 Seiten, Broschur, 14,95 €

ISBN: 978-3-407-85975-4

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Autor: Gerald Hüther, Uli Hauser
Jedes Kind ist hoch begabt

Wenn Kinder geboren werden, haben sie eine Basisausstattung mitbekommen. Körper und Gehirn sind aufeinander abgestimmt und das Gehirn hat wesentlich mehr Kapazitäten, als benötigt werden. Ein Teil wird ungenutzt bleiben. Die Autoren schildern, welche Prozesse im Gehirn die Entwicklung wie bestimmen und was die Bezugspersonen für eine gute Entwicklung tun können. Sie geben Tipps zum Umgang mit den heranwachsenden noch kleinen Menschen und fordern unter anderem diesen zu vermitteln, dass sie einzigartig sind. Dabei ist klar, dass dem Neugeborenen als dauerhafte Veranlagung der Wille und die Fähigkeit zum Lernen mitgegeben sind. Willen und Fähigkeit sind nicht gleich verteilt und doch bei allen Vorhanden. Beides zu erhalten ist das, worauf es ankommt. Wie das aus Sicht der Autoren gelingt, wird ausführlich und gut verständlich dargelegt.

Und was hat nun der Titel mit dem Buch gemein? Einen Satz! Hoch begabt sind unsere Kinder, weil Gehirn und Körper für jeden optimal aufeinander abgestimmt sind. Also keine Hochbegabung, sondern eine biologische Trivialität. Diese ist erforderlich, um die Überlebensfähigkeit der Gattung zu gewährleisten und sagt überhaupt nichts über die Qualität der Abstimmung aus. Ansonsten geht es um anderes. Da ging dann Marketing vor Seriosität. Peinlich! Schade, hier wurde eine Chance vertan. Das Buch ist gut geschrieben und auch für Laien und Einsteiger in die Neurowissenschaften gut zu lesen. Leider bringt das Buch nicht viel Neues. Wohlgefällig und populär ist es dafür.

Alter Wein in neuen Schläuchen wird geboten. Kann auch ein Zweck sein. Dauerhaftes Recycling der bisherigen Literatur wird nur irgendwann langweilig. Schade!

Autoren: Gerald Hüther, Uli Hauser

Jedes Kind ist hoch begabt

Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus Ihnen machen

Albrecht Knaus Verlag, München 2012

187 Seiten, gebunden, 19,99 €

ISBN: 978-3-8135-0448-4

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